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Brauche ich eine andere Lebenskultur?

Ja, die brauche ich wirklich!

Im Grunde entspricht weder umfassende Mitmenschlichkeit noch die Art des Allgemeinen Wirtschaftens der menschlichen Natur, auch wenn das eine wie das andere der Wunsch vieler ist. Die Menschheit war ja mal wie eine Affenhorde organisiert, die sich gegen andere Horden verteidigen musste. Da wird es dann schwierig mit umfassender Mitmenschlichkeit. Und auch unsere globale Art des Wirtschaftens ist für den schwierig, der seinen Besitz gegen andere aus rein biologischer Veranlagung heraus verteidigen will. Sehr schwierig.

Schließlich stammen wir von Affen- und später von Menschenhorden ab und lebten früher auch entsprechend. Also ist das Hordendenken wohl noch immer in unseren und damit auch in meinen Genen  verankert. Nur die Rahmenbedingungen in unseren Lebensverhältnissen haben sich schon lange geändert. Uns gegen andere Gruppen abzugrenzen ist gleichwohl noch immer Alltag, obwohl wir letztlich nur noch eine einzige Horde sind, die kaum noch äußere (!) Feinde hat. Letztlich werden zwei Lebensprinzipien miteinander vermischt, Abgrenzung auf der einen und Globalisierung auf der anderen Seite, das kombiniert mit der Sehnsucht nach Einheit. Das passt aber nicht zusammen und dementsprechend konfus und widersprüchlich handeln viele Menschen auch. Was früher vielleicht Sinn machte, hat sich letztlich in das Gegenteil verkehrt.

Denn dringend notwendigen Change bekommen wir nur durch eine grundsätzlich andere Denke und eine andere geistige Ausrichtung hin. Eine andere Lebenskultur ist erforderlich, und zwar eine völlig andere. Die bisherige anzupassen genügt definitiv nicht. Damit beginnt es. Es geht nicht nur um eine Kultur von Nationen, Unternehmen, Familien oder die persönliche, sondern um die Grundkultur der Menschheit, basierend auf einem Grundverständnis der Welt und des Menschen. Dieses Grundverständnis setzt sich zusammen oder ergibt sich aus allen einzelnen Kulturen. Dafür sind nicht nur „die da oben“ zuständig, sondern gerade jeder Einzelne. Der Grund dafür ist noch, dass sich abzugrenzen vielfach Usus ist.

Was also wäre zu tun? Als erstes ist unser Wissen über uns und die Welt einmal genau zu überprüfen. Eine Psychologie, die Menschen als gesund entlässt, wenn sie in einer kranken Gesellschaft gut funktionieren, ist meines Erachtens nach nicht auf dem Stand, auf dem sie sein müsste. Also ist es notwendig zu überprüfen, ob unser Denken überhaupt mit dem übereinstimmt, was wir wissen.

Es ist, jedenfalls ist das meine Überzeugung, dass sich viele noch immer mit den Symptomen statt mit den eigentlichen Ursachen beschäftigen. Und die Ursache können wir nur in der Struktur unseres Denkens finden. Es ist offensichtlich, dass wir uns sozusagen in einer Endlosschleife bewegen und den Ausgang nicht sehen. Der Ausgang ist da, doch er wird nicht gesehen, solange ihn das eigen Ego verdeckt. Und das wird es so lange tun, solange mehr oder weniger krampfhaft nach einer Ich-Identität gesucht oder an einer vermeintlich gefundene festgehalten wird.

Passend dazu ein Text aus dem Newsletter von changex.de:

Vor ein paar Jahren noch wurde zur Behandlung von Rückenschmerzen Bettruhe verordnet. Ohne Erfolg. Denn bei der Entstehung von chronischem Rückenschmerz können viele Einflussfaktoren eine Rolle spielen, neben mechanischen auch psychische und soziale. In der Medizin gab es einen Paradigmenwechsel von einem rein medizinischen hin zu einem biopsychosozialen Verständnis. Nicht so bei der Arbeit. 

(Anmerkung von mir: Nicht nur dort!)

„Im Arbeitskontext ist Rückenschmerz überwiegend immer noch ein rein medizinisches Thema“, sagt die Zwickauer Professorin Gabriele Buruck, die eine interdisziplinäre Studie zum Thema koordiniert hat. Das Forscherteam konnte zeigen, dass nicht nur körperliche, sondern auch psychische und soziale Bedingungen bei der Arbeit zu chronischen Rückenschmerzen beitragen: Arbeitsintensität, Spielräume und Entscheidungsmöglichkeiten bei der Arbeit, soziale Unterstützung im Arbeitsumfeld.

Ob auch organisationale Faktoren eine Rolle spielen, darüber ließ sich keine Aussage treffen. Denn dazu gibt es bislang keine Studien.“

Fazit: Ein (Einzahl!) umfassendes Verständnis von der Welt ist notwendig, das sich nicht mit der Forderung nach Ganzheitlichkeit begnügt, sondern vor allem das bisherige Denken revolutioniert.

Veröffentlicht in Reflexionen