Es gibt Sätze, die man lassen muss, wie sie sind

Sätze, die man nicht durch langatmige Ausführungen zerschreddern darf, sondern wirklich ernst nehmen sollte – wenn man das will. Dazu gehört alles, was zu Beginn einer Entscheidung steht. Wenn ich beispielsweise meine Entscheidung, endlich mehr Sport zu machen, in viele kluge Worte und Sätze fasse, dann kann ich mir ziemlich sicher sein, dass ich es nicht tun werde, einfach weil mir scheinbar die Notwendigkeit noch nicht so ganz klar geworden ist; ich im Innersten davon noch nicht so überzeugt bin. Da hilft auch alle rhetorische Finesse nicht. Braucht es viele Erklärungen, warum ich etwas tun werde und wozu es gut wäre und auch ist, dann befürchte ich, werde ich es letztlich nicht tun oder auch nur vordergründig, um einem Sekundärnutzen gerecht zu werden. Schließlich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob ich das Bedürfnis habe, die Küche sauber zu verlassen, wenn ich mir etwas gekocht habe, oder ob ich das nur tue, damit ich hinterher keinen Ärger bekomme.

Es ist dabei nicht die Frage, warum ich so wunderbar leicht auf mich selbst hereinfallen kann, viel wichtiger ist wohl, überhaupt zu merken, wenn ich gerade dabei bin, mich mal selbst wieder hereinzulegen. Ein Beispiel: Gerade las ich in einem Text über ein Gespräch zwischen Jiddu Krishnamurti und Allan W. Anderson, wonach Krishnamurti Folgendes gesagt hat: „Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen eine Transformation herbeizuführen, die von Wissen oder Zeit unabhängig ist.“ Nachdem sich in meinem Kopf nur ein „Stimmt!“ als innerer Kommentar dazu gebildet hatte, brach ich sofort die Wiedergabe des restlichen Textes ab. Ich hatte genug gehört, denn ich war von der Richtigkeit dieses Satzes überzeugt. Ob ich ihn wirklich verstanden habe wird sich daran zeigen, was anders wird in meinem Leben.

Mich erinnert das stark an einen Ausbruch einen Zen-Menschen, wer, das weiß ich leider nicht mehr, der Ähnliches über Sutren gesagt hat. In einem Sutra stünde das, was damit eigentlich gesagt werden soll, in einem einzigen Satz, ganz zu Beginn. Der Rest wäre nur für die, die nicht verstünden, sozusagen zur Besänftigung, damit sie nicht gleich frustriert aufgeben und sofort weglaufen. Tja, Marketing, wo man auch hinschaut – statt klare Konfrontation. Also bei mir selbst wirkt, wenn überhaupt, dann nur Konfrontation. Zwar dauert es manchmal, bis ich endlich bereit bin, mich auf die Konfrontation einzulassen und meine Schutzschilde nicht gleich wieder reflexartig hochziehe. Doch das ändert nichts daran, dass das, was wirkt, eben die Konfrontation ist.

Seit ich das begriffen habe, suche ich sehr bewusst die Konfrontation mit mir selbst. Nicht so einfach, sich gedanklich selbst vor eine Wand zu stellen oder zu setzen. Dabei gibt es so wunderbar viele Gelegenheiten um mich herum, die perfekte Konfrontationen hergeben. Natürlich unter einer Bedingung: Ich darf ihnen nicht mit dem üblichen Konvention-Gehabe begegnen.