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Wenn die Maske fällt erschrickt man erst einmal

Und zwar ordentlich. Also ich bin sehr erschrocken, als ich endlich einmal meine Maske loswurde. Dabei ist es eine komische Maske, die verbirgt mein wahres Gesicht nicht vor den anderen, sondern auch meine wirklichen Empfindungen vor mir selbst.

Die Fähigkeit zu leben, für mich und andere da zu sein, selbst zu denken und kein für die Gesellschaft nützliches Instrument zu sein, das war es, was ich mit dieser Maske letztlich verleugnete. Es ist eine wohl allgemeine Fiktion, die die modernen Menschen miteinander teilen, dass wir glücklich wären, doch die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Ich brauchte nur die Augen aufzumachen und mich nicht vom Schein trügen zu lassen. So etwa hat Erich Fromm es in einem Interview genannt.

Meist beginnt es mit einem kleinen Symptom, etwas, das ich in meinem Verhalten als unzulänglich empfinde, das dann der Auslöser für ein Aufwachen ist, mit anderen Worten um zu erkennen, dass ich tief unglücklich war, dass ich mit meinem Leben unzufrieden war, keinen wirklichen Sinn für mich hatte. Ich erkannte, dass das nur die Symptome dafür waren, um mein ‚eigentliches‘ Unglücklichsein zu kompensieren.

Letztlich war das mein Glück, dass ich mich unwohl fühlte, denn sich krank zu fühlen ist ein Zeichen dafür, dass ich meine Empfindungen noch nicht vollkommen verdrängt und unterdrückt hatte. Der Konflikt zwischen den Erwartungen meiner Kultur, meines Berufes und der Gesellschaft war in einen offen zutage tretenden Konflikt mit meinem eigenen Wollen getreten. Gott sei dank, kann ich da nur sagen, dass ich nicht mehr ‚rund‘ lief, denn so konnte ich überhaupt erst erkennen, was die tatsächliche Ursache war.

Also hörte ich auf, „normal“ zu sein und mich so anzupassen, dass ich letztlich nicht mehr bei mir selbst zuhause war, sondern nur noch eine Show veranstaltete und den eigentlichen Konflikt überhaupt nicht mehr empfand.

Veröffentlicht in Reflexionen