Wissenschaft und Spiritualität

Ich muss zusammen denken, was zusammen gehört. Dabei gehe ich davon aus, dass alles, was die Welt und das Leben beschreibt, auch zusammen gehört, ja gehören muss. Blende ich einen Aspekt aus, etwas Wissenschaften, was ja viele tun, oder eben auch Spiritualität, was auch viele tun, dann habe ich meines Erachtens nach definitiv ein Problem.

Und widersprechen sich beispielsweise Religion und Wissenschaft, dann kann eines davon nicht stimmig sein. Oder auch beides. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch Phänomene gibt, die sich scheinbar widersprechen – und doch beide richtig sind. So wie Licht etwa einmal als Teilchen und einmal als Welle erscheint. Aber das ist etwas anderes.

Und wo ich noch nicht weiß, wie ich etwas wirklich stimmig formulieren kann, muss ich erst einmal einfach nur die Klappe halten, statt mich in Spekulationen zu ergehen. Ich halte es auch für eine Illusion zu glauben, ich könnte alles beschreiben und erklären, nur weil ich es auch erlebe.

Etwas offen lassen und in der Schwebe zu halten, das ist die Kunst, die ich gelernt habe – und dabei nicht daran zu verzweifeln, dass ich es eben nicht weiß. Doch wenn ich dann fatalistisch den Kopf in de Sand stecke, hilft mir das wohl kaum weiter. Eher das Gegenteil ist der Fall.

So habe ich keine Ahnung, wie ich mir etwas merken kann, etwa, dass ich Peter heiße. Aber ich kann es. Es ist vielleicht die Angst, es einmal nicht mehr zu können, die mich versuchen lässt, es unter Kontrolle zu bringen und etwas, was mir gerade nicht einfällt, krampfhaft zu erinnern versuche. Dabei fällt es mir wesentlich schneller ein, je lockerer ich bleibe und es gerade nicht zu kontrollieren suche.

Wenn wir etwas nicht können oder nicht verstehen, versuchen wir es in den üblichen Lern- oder Trainingsgruppen oder in psychologischen Selbsterfahrungsgruppen zu „begreifen“. Wir haben eine konkrete Vorstellung, wie etwas sein müsste und unserer Meinung nach zu sein hat. Deshalb wollen wir lieber ansehnliche und vor allem mit unseren Ansichten kompatible Endresultate realisiert sehen, statt den Prozess unseres Denkens, unserer Vorannahmen und den Weg zu betrachten, wie wir zu Ergebnissen kommen.

Es geht – für mich – also nicht darum, das Außen zu reflektieren, sondern das Innen. Denn wie ich bewusst denke, so nehme ich auch wahr. Also weiß ich eigentlich nie, was da draußen wirklich ist. Obwohl, es stimmt nicht, jedenfalls dann nicht, wenn ich es absolut formuliere, denn tatsächlich gibt es einen Seinszustand, in dem ich vollkommen korrekt wahrnehme. Ganz ohne „Ich“, ohne Selbstbezogenheit und ohne die sonst üblichen konventionellen Spielchen. Nämlich dann, wenn ich im Flow bin.

Eigentlich ideal. Nur, warum nehme ich nicht immer so wahr? Ganz einfach, weil mein bewusstes Denken meine Wahrnehmung bestimmt. Und sobald ich dem freien Lauf lasse, geht es eben auch mal in die falsche Richtung. Also suche ich die „Bedingungen“ eines Flow in meinem ganz normalen Leben zu realisieren. Ganz einfach, indem ich nach den Prinzipien des Flow kommuniziere.

Das heißt, ich muss erst einmal wissen, wo ich überhaupt bin. Was denke ich gerade? Weshalb will ich gerade jemanden beurteilen? Warum urteile ich überhaupt über etwas? Fragen über Fragen, die ich wohl nur im selbstreflektiven Gespräch klären kann. Denn ich brauche zwingend den anderen, um mich selbst erkennen zu können. Auch der Meditierende hat stets ein Gegenüber, Gott, das Absolute oder was auch immer.

Ich bin da vielleicht einfacher gestrickt. Ich nehme, was mir begegnet. Und je mehr es meinen eigenen Ansichten widerspricht, desto besser. Je schwieriger es auf den ersten Blick zu sein scheint, desto schneller finde ich zur Einheit allen Seins. Denn im Dialog muss ich vor allem eins tun: Mich auf Gedanken einlassen, die nur quer in mein Gehirn gehen. Perfekt. Da geht es mir wohl wie den Ulmer Spatzen. Ich muss einfach nur meine eigene Denkrichtung ändern.

Ich brauche „nur“ stimmig zu denken.